Von der Kassette bis zum Streaming - so meistert Sony Music im Hörspiel-Bereich erfolgreich die Transformation
FAMILY BUSINESS · 30.09.2022 · Gast: Arndt Seelig, Vice President Family & Home Entertainment bei Sony Music, zu dessen Portfolio das Label EUROPA gehört
Arndt Seelig erläutert, wie Sony Music mit dem Label EUROPA den Wandel vom physischen Hörspielverkauf zur digitalen Nutzung gestaltet. Im Gespräch mit Rolf Kosakowski und André Schulz beschreibt er die Bedeutung etablierter Marken, neuer Inhalte und unterschiedlicher Vertriebswege. Weitere Themen sind die Auffindbarkeit von Hörspielen auf Streaming-Plattformen, langfristige Investitionen in Produktionen und die Vergütung nach Nutzung. Abschließend geht es um Sprachsteuerung und die Chancen einer internationalen Verbreitung des Hörspiels.
Kernaussagen
- Streaming ermöglicht den Zugriff auf ganze Hörspielserien und verändert das Erlösmodell vom Verkauf einzelner Tonträger zur Beteiligung an der Nutzung.
- Sony Music setzt auf mehrere Streaming-Anbieter, gerätebasierte Angebote wie Tonies und Tiger Media sowie eigene Dienste, um Abhängigkeiten zu begrenzen und den Zugang zu erleichtern.
- Etablierte Hörspielmarken profitieren laut Seelig vom Vertrauen der Eltern, während Bücher, Fernsehen, YouTube und Podcasts Quellen für neue Inhalte bieten.
- Medienverbünde, Spin-offs und Social-Media-Auftritte schaffen zusätzliche Kontaktpunkte mit Marken wie „TKKG“ und „Hui Buh“.
- Digitale Veröffentlichungen erfordern nach Seeligs Darstellung einen längeren Markenaufbau und Investitionen, die sich erst über einen größeren Zeitraum zurückverdienen.
- Interaktive Geschichten und räumliche Klangproduktionen erweitern das Hörerlebnis, während eine angemessene Monetarisierung aus Seeligs Sicht die Grundlage für künftige Produktionsqualität bleibt.
Häufige Fragen
Wie verändert Streaming das Geschäft mit Hörspielen?
Seelig beschreibt den Wechsel vom Kauf einzelner Kassetten oder CDs zum Zugriff auf komplette Serien im Streaming-Abo. Sony Music verdient dabei an der Nutzung der Hörspiele; wirtschaftliche Erfolge neuer Produktionen lassen sich jedoch häufig erst über längere Zeiträume beurteilen.
Warum entwickelt Sony Music eigene Angebote für den Hörspielzugang?
Internationale Musik-Streaming-Dienste berücksichtigen die besonderen Anforderungen von Hörspielen laut Seelig nicht immer ausreichend. Als Beispiele für eigene Lösungen nennt er eine frühere Navigations-App und den Hörspielplayer, die eine einfache Nutzung ermöglichen sollten.
Welche Rolle spielen bekannte Marken und neue Inhalte im Portfolio?
Bekannte Serien wie „Die drei Fragezeichen“, „TKKG“ und „Fünf Freunde“ profitieren nach Seeligs Einschätzung davon, dass Eltern sie aus ihrer eigenen Kindheit kennen. Für neue Inhalte betrachtet sein Team je nach Zielgruppe unter anderem Bücher, Fernsehserien, YouTube und Podcasts.
Welche Chancen sieht Seelig für Hörspiele außerhalb des deutschsprachigen Raums?
Seelig erwartet, dass digitale Verbreitung und die Expansion der Tonies die internationale Nutzung von Hörspielen unterstützen können. Er verweist außerdem auf ein globales Family-Entertainment-Netzwerk bei Sony Music, nennt aber auch Hindernisse wie ungeklärte Rechte an Synchronstimmen.