Großes Kino: Mit gutem Marketing zum erfolgreichen Kinderfilm
FAMILY BUSINESS · 19.04.2021 · Gast: Maite Woköck, Geschäftsführerin und Produzentin von Telescope Animation und Ella Film
Maite Woköck spricht mit Rolf Kosakowski und André Schulz über die Entwicklung, Finanzierung und Vermarktung von Kinderanimationsfilmen. Anhand von „Meine Chaosfee und ich“ und „Der letzte Sänger der Wale“ erläutert sie, wie internationale Verwertungspartner und Rückmeldungen von Kindern in die Arbeit einfließen. Weitere Themen sind der Aufbau eigener Marken über Film, Serie und Games sowie die unterschiedlichen Funktionen von Kino und Streaming. Das Gespräch entstand während der Corona-Pandemie und ordnet auch deren Folgen für Produktion und Kinoauswertung ein.
Kernaussagen
- Woköck berücksichtigt internationale Märkte bereits bei der Stoffentwicklung, weil ihre Animationsfilme international finanziert und verkauft werden.
- Die Finanzierung setzt sich aus mehreren Quellen zusammen, wobei regionale Förderbedingungen die Wahl von Produktionsstandorten und Dienstleistern beeinflussen.
- Weltvertrieb und Verleih werden früh eingebunden und geben ebenso wie beteiligte Sender Rückmeldungen zu den Projekten.
- Tests mit Kindern helfen dabei, Verständnisprobleme, langweilige Passagen oder eine unbeabsichtigte Wahrnehmung von Figuren zu erkennen und die Geschichte zu überarbeiten.
- Woköck sieht im Kino ein intensives gemeinschaftliches Erlebnis und entscheidet zugleich anhand von Geschichte und Zielgruppe, ob ein Stoff zu Kino oder Streaming passt.
- Für „Der letzte Sänger der Wale“ plant sie neben dem Kinofilm eine Serie, ein Game und eine Virtual-Reality-Experience, die mithilfe einer gemeinsamen technischen Produktionsbasis entstehen sollen.
Häufige Fragen
Wann werden Vermarktungspartner in die Entwicklung eines Kinderanimationsfilms eingebunden?
Woköck arbeitet bereits früh mit Weltvertrieb und Verleih zusammen, möglichst noch vor dem Beginn der Finanzierung. Diese Partner geben inhaltliche Rückmeldungen und sind auch Teil der Finanzierung; eine gesicherte Kinoauswertung in Deutschland ist nach ihrer Darstellung meist Voraussetzung für Förderanträge.
Wie werden Kinder an der Entwicklung der Filme beteiligt?
Woköck zeigt Kindern ab einem bestimmten Entwicklungsstand Material und nutzt deren Rückmeldungen zur Überarbeitung. Bei „Meine Chaosfee und ich“ wurde gemeinsam mit KB&B eine Vorstufe getestet, um unter anderem Verständlichkeit, Spannung und die Wirkung der Figuren zu prüfen.
Warum ist die Finanzierung von Kinderanimationsfilmen aufwendig?
Nach Woköcks Darstellung lassen sich die Budgets ihrer Animationsfilme nicht allein aus Deutschland finanzieren, weshalb internationale Partner hinzukommen. Verschiedene Förderanträge und regionale Ausgabeverpflichtungen machen die Abstimmung aufwendig; fällt eine Zusage aus, muss das Finanzierungsgerüst neu aufgestellt werden.
Welche Rolle spielen Kino und Streaming für Woköcks Projekte?
Woköck beschreibt das Kino als intensives Filmerlebnis und als sozialen Anlass für Familien und Freunde. Streaming betrachtet sie zugleich als festen Bestandteil der Verwertung und entscheidet nach Geschichte und Zielgruppe, welche Plattform für einen Stoff geeignet ist.