KidScreen & MIP London 2026: Was der Umbruch in Kindermedien für Familienmarken bedeutet

Rolf Kosakowski · 2026-03-27

KI-generiertes Editorial-Bild, keine reale Aufnahme: KB&B.

YouTube, Roblox und TV auf Augenhöhe, sinkende Auftragsproduktionen und die BBC-Wette auf YouTube: Die wichtigsten Erkenntnisse aus KidScreen San Diego und MIP London 2026 – und was DACH-Marken daraus ableiten sollten.

TL;DR

Die traditionelle Hierarchie „TV oben, Digital unten“ ist auf beiden Branchenevents endgültig aufgelöst – YouTube, Roblox und Fernsehen stehen erstmals gleichberechtigt im Programm und im Saal.

Kindermedien-Auftragsproduktionen sind 2025 um 21 % eingebrochen – stärker als jedes andere Genre (–9 %). Ein „Marktversagen“ droht, wenn weder Sender noch Plattformen genügend investieren.

Die BBC setzt mit sieben neuen YouTube-Kanälen auf eine „Front-Door-Strategie“: YouTube-native Promos, taktische Vollfolgen und eigene Micro-Drama-Formate als Brücke zum iPlayer.

Roblox positioniert sich proaktiv mit Sicherheitstools, Altersverifikation und einem Parent Council – und wird für IP-Entwicklung (Lego, Creatures of Sonari) zunehmend relevant.

Für DACH-Familienmarken heißt das: Plattformstrategie diversifizieren, Watch-Time statt Views messen und Gaming-IP als Lizenzquelle ernst nehmen.

Das Ende der Medien-Hierarchie

Wer im März 2026 sowohl die KidScreen in San Diego als auch den MIP London Kids & Teens Summit besuchte, erlebte denselben paradigmatischen Wandel an zwei Orten gleichzeitig: Die tradierte Rangordnung – Fernsehen ganz oben, digitale Plattformen als Nebenschauplätze – ist Geschichte. YouTube-Studios, Roblox-Entwickler und klassische TV-Produzenten saßen erstmals nicht nur auf denselben Panels, sondern auch gemeinsam im Publikum.

„The traditional hierarchy of TV had been well and truly scrambled. Everyone was on the same playing field.“

Quelle: Kids Media Club Podcast, Episode 150, 5. März 2026

Die KidScreen-Konferenz machte den Wandel programmatisch sichtbar: Statt vereinzelter Roblox- oder YouTube-Sessions gab es erstmals umfassende Programm-Tracks – von 101-Einführungen für Einsteiger bis hin zu Entwickler-Showcases. Die Podcast-Hosts beobachteten, dass nicht nur die Bühneninhalte, sondern auch die Zusammensetzung des Publikums diesen Wandel widerspiegelten: Banijay saß neben YouTube, neben Twin Atlas (dem Studio hinter Creatures of Sonari und Lego-Aktivierungen auf Roblox).

Sinkende Auftragsproduktionen: Droht ein Marktversagen?

Die härteste Zahl der beiden Events lieferte Ampere Analysis auf dem MIP London: Die Auftragsproduktionen für Kindermedien sind 2025 um 21 % eingebrochen . Zum Vergleich: Alle anderen Genres zusammen verzeichneten einen Rückgang von lediglich 9 %. Gleichzeitig liegt die Monetarisierung von YouTube-Kinderinhalten seit der COPPA-Regelung von 2019 bei einem Bruchteil des früheren Niveaus – ein finanzieller Fehlanreiz, der Produzenten abschreckt.

Die Konsequenz: Immer mehr Produzenten positionieren sich als „Family Content“- oder „Young Audience“-Anbieter statt explizit als Kindermedien-Macher. Das Label „Kids“ wird im Marktkontext zunehmend als toxisch empfunden – ein Warnsignal für alle, die in diesem Segment investieren oder werben.

„If the commissioners aren’t investing and there’s no financial incentive to attract investors or producers willing to create on YouTube, we do hit this market failure situation.“

Quelle: Kids Media Club Podcast, Episode 150

Ein positives Signal: UK und Europa stemmen den Rückgang besser als Nordamerika. Die Auftragseinbrüche fallen im europäischen Raum proportional geringer aus – ein Vorteil, den DACH-Marken strategisch nutzen können.

Die BBC-Wette auf YouTube

Der größte strategische Schachzug kam von der BBC : Rund zwei Wochen vor dem MIP London kündigte der Sender sieben neue YouTube-Kanäle für sein Kinderangebot an. Lydia Museibi…

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