Kinder lieben Video - nur nicht mehr zuerst im Fernsehen. Was Marken jetzt tun müssen.

Malte Pingel · 2026-07-10

85,3 % der 1- bis 17-Jährigen in Deutschland nutzen laut AGF Next Gen Videostudie 2026 täglich Bewegtbild - doch das lineare Fernsehen verliert seine Rolle als Erstkontakt. Streaming, YouTube und Social Video übernehmen den Programmführer-Part, das TV-Gerät wird zum Beziehungsmedium. Wir ordnen die Zahlen ein und zeigen, was Familienmarken daraus für Media, Kreation und Reichweitenmessung ableiten sollten.

TL;DR

85,3 % der 1- bis 17-Jährigen in Deutschland nutzen laut AGF Next Gen Videostudie 2026 täglich Bewegtbild - lineares TV, Streaming, YouTube und Social Video zusammengerechnet.

Das lineare Fernsehen verliert den Erstkontakt zur jungen Zielgruppe. Streaming und Social Video übernehmen die Rolle des Programmführers.

Das Smartphone wird zum Leitgerät : 84,3 % der 11- bis 13-Jährigen und 91,2 % der 14- bis 17-Jährigen besitzen ein eigenes.

Das TV-Gerät bleibt Beziehungsmedium - Eltern schauen mit 3- bis 6-Jährigen zu 83,5 %, mit 14- bis 17-Jährigen noch zu 50,1 % mit.

Für Familienmarken heißt das: crossmedial planen, altersgerecht produzieren, IP statt Sendeplatz denken .

Als HORIZONT die aktuelle Bewegtbild-Analyse von Katrin Ansorge überschrieb mit „ Kinder lieben Video - doch das Fernsehen verliert den Erstkontakt “, war das keine Provokation, sondern Bestandsaufnahme. Die Datenlage der AGF Next Gen Videostudie 2026 , die Kantar im März 2026 mit 5.250 Interviews unter 1- bis 17-Jährigen bzw. deren Eltern erhoben hat, bestätigt: Kinder und Jugendliche sitzen nicht mehr vor dem Fernseher - sie sind aber intensiver mit Bewegtbild in Kontakt als je zuvor.

Die Kernzahlen der AGF Next Gen Videostudie 2026

85,3 % der 1- bis 17-Jährigen nutzen täglich Bewegtbild - über alle Plattformen hinweg.

Nahezu 100 % Reichweite bereits im Vorschulalter.

84,3 % der 11- bis 13-Jährigen und 91,2 % der 14- bis 17-Jährigen besitzen ein eigenes Smartphone.

83,5 % der Eltern schauen bei 3- bis 6-Jährigen immer oder oft mit, wenn das Kind lineares TV nutzt - bei 14- bis 17-Jährigen immer noch 50,1 % .

Bei den 1- bis 6-Jährigen ist mindestens die Hälfte der YouTube-Nutzung TV-Content - Sendermarken leben auf YouTube weiter.

Ergänzt wird das Bild durch die KIM-Studie 2024 (mpfs) : 100 % aller Haushalte mit 6- bis 13-Jährigen haben ein TV-Gerät, 98 % ein Smartphone - 46 % der Kinder besitzen bereits ein eigenes Smartphone . Die Infrastruktur ist da, das Nutzungsmuster verschiebt sich massiv vom Wohnzimmer ins Kinderzimmer.

Was sich wirklich verändert hat

1. Der Erstkontakt findet auf YouTube statt - nicht im Kinderfernsehen

Für Kinder ab 3 Jahren ist YouTube heute der erste Anlaufpunkt für Bewegtbild. Auffällig: In dieser Altersgruppe besteht mindestens die Hälfte der YouTube-Zeit aus TV-Content - also Clips von KiKA, Super RTL, Nick Jr. oder Disney. Plattform und Sendermarke verschmelzen . Für Sender heißt das: Wer nicht auf YouTube präsent ist, ist für die Zielgruppe nicht existent. Für Marken: Der klassische „TV-Werbeblock im Vorabend“ verliert an Rolle, gebrandete YouTube-Präsenzen und Sender-Kanäle werden zum Bewegtbild-Erstkontakt.

2. Das Smartphone ist das Leitgerät ab der weiterführenden Schule

Der Wechsel von Grundschule zu weiterführender Schule ist die härteste Zäsur der Mediennutzung. Mit dem eigenen Gerät (84,3 % bei 11-13, 91,2 % bei 14-17) verändert sich die Nutzungslogik komplett: Kurze Inhalte und Social Video wandern auf Smartphone/Tablet , längere Inhalte bleiben auf dem TV-Gerät - bevorzugt gemeinsam mit den Eltern geschaut. Das ist keine Übergangsphase, sondern die neue Normalität.

3. Das TV-Gerät wird zum Beziehungsmedium

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis für die Media-Branche: Das TV-Gerät ist nicht tot - aber es wechselt die Funktion. Aus dem täglichen Bewegtbild-Standard wird das „Lagerfeuer“ für bewusste Familienzeit : Filmabende, Serien-Marathons, Sportevents. Selbst mit 14- bis…

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